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Wie viel Verbraucherschutz braucht man wirklich?

Die Medienwelt überwirft sich derzeit mit Meldungen rund um den Verbraucherschutz. Ob es ein Sommerloch zu füllen gibt oder nicht, Bürger werden dabei verunsichert. Häufig ist dabei die Rede von einer Bevormundung seitens der Europäischen Union. Verbraucher und Kunden bekommen von der EU gesagt, was gut oder schlecht für sie ist. Aber ist dies wirklich so?

Zunächst muss erst einmal klar sein, dass Verbraucherschutz grundsätzlich wichtig ist, denn ohne den Verbraucherschutz wird z. B. nicht auf gefährliche Stoffe oder Prozesse aufmerksam gemacht. Denn nicht jeder Verbraucher kann und braucht sich u. a. mit chemischen Prozessen in Herstellungsverfahren zu beschäftigen und kann daraus mögliche gesundheitsschädigte Ergebnisse beim Verzehr von bestimmten Lebensmitteln ableiten. Aus diesem Grund bedarf es einer vernünftigen Regelung. Es muss jedoch auch klar sein, dass der mündige Bürger nicht jedes Detail vorgeschrieben bekommen muss.

Beispiele für eine Überregulierung lassen sich auch im Freistaat Sachsen und im Besonderen im Kreis Meißen finden. Die Europäische Kommission hatte vor, eine Richtlinie auf den Weg zu bringen, welche die Maßgabe hat, die Anteile von Cadmium und Blei in Porzellan zu reduzieren, vor dem Hintergrund, dass der Verzehr von Lebensmitteln von Geschirr mit hohen Cadmium- und Bleiwerten, schädlich für den Menschen ist. Dies würde auch das traditionsreiche Kunsthandwerk der Fertigung von Meissener Porzellan treffen. Eine Handfertigung des Porzellans unter Verwendung der entsprechenden Farben wäre dadurch nicht mehr möglich. Vergessen wird dabei, dass Meissener Porzellan in den wenigsten Haushalten als Alltagsgeschirr dient, welches zum Verzehr von Lebensmitteln genutzt wird. Wir haben durch unseren Einsatz zumindest den Aufschub dieser Richtlinie erreicht und kämpfen jetzt für eine dauerhafte Ausnahmeregelung für die Manufakturen wie Meißen.

Aktuell erleben wir die Diskussion, dass unsere Pommes, unser Brot und unser Kaffee durch zu hohe Acrylamidwerte, die beim Braten, Backen oder Rösten entstehen, krebserregend für den Verbraucher sind. Die EU hat daher neue Vorschriften geschaffen, um diese Werte in Lebensmitteln zu senken. Neue Regelungen zur Senkung von Acrylamid dürfen dabei Bäckereien oder kleine Imbissbetreiber nicht mit erhöhtem Dokumentations- oder Kontrollaufwand belasten. Immerhin haben vorangegangene Untersuchungen im Bäckereigewerbe ergeben, dass bei über 98 Prozent der getesteten Brote der Acrylamidgehalt unter dem veranschlagten Richtwert liegt.

Verbindliche und einheitliche Regeln für die gesamte Europäische Union sind gut, auch im Verbraucherschutz, denn sie dienen zum Schutz der Bürger. Jedoch muss immer, wie in der Wirtschaft üblich, abgewogen werden, ob dadurch ein größerer Schaden entsteht. Verbraucherschutz ja, aber nicht zulasten des Handwerks und der kleinen Betriebe.


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