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„Wir wählen keine Zyniker“ –Neujahrsempfang des Handwerks

Zum Wohle beim Handwerkertrunk! Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer setzt den Krug mit edlem Meißner Wein an.

Zum traditionellen Neujahrsempfang im edlen Festsaal des Romantikhotels „Burgkeller" in Meißen hatte die Kreishandwerkerschaft Region Meißen wichtige Leute rund um das Handwerk eingeladen.

Neben Obermeistern aus den 14 Innungen des Landkreises ließen sich fast alle Ober- und Bürgermeister/-innen der Städte und Gemeinden diesen Termin nicht entgehen. Mitglied des Europaparlamentes Hermann Winkler (CDU), Mitglied des Bundestages Dr. Thomas de Maizière (CDU) und der Landrat Arndt Steinbach hatten sich als Spitzenvertreter der regionalen Politik eingefunden. Die Handwerkspräsidenten des Sächsischen Handwerkertags Roland Ermer und der Handwerkskammer Dresden Dr. Jörg Dittrich ließen sich den Empfang ebenfalls nicht entgehen. Mit Rosé-Sekt der Sächsischen Winzergenossenschaft wurden die Gäste begrüßt. Nach der traditionellen Eröffnung mit Öffnung der Zunftlade und dem Anzünden der Kerze durch Roberto Heilscher, dem stellvertretenden Kreishandwerksmeister, begrüßte Kreishandwerksmeister Peter Liebe die Anwesenden.

Kreishandwerksmeister Peter Liebe begrüßt Hermann Winkler (Mitglied des Europäischen Parlaments)

Der Meister wurde zur Öffnung nicht müde, eine Vielzahl politischer Entscheidungen des vergangenen Jahres als weltfremd und hinderlich für das Handwerk zu kritisieren: „Die Datenschutzgrundverordnung hat unsere Betriebe total verunsichert. Wenn sich Fleischereien und Bäckereien von ihren Kunden unterschreiben lassen müssen, dass ihr Name ins Bestellbuch geschrieben werden darf, stellt sich mir die Frage: Dürfen wir denn überhaupt noch unsere Kunden mit dem Namen ansprechen? Diese Verunsicherung gipfelte in der Diskussion Namensschilder ans Haus oder nicht?

Die Dieseldebatte wird künstlich hochgespielt. Darauf fußend soll auch noch das Silvesterfeuerwerk abgeschafft werden. Bringt es was, wenn man Innenstädte für Dieselfahrzeuge sperrt, die aber auf Parallelstraßen fahren dürfen? Woher weiß denn die schlechte Luft, dass sie gerade auf dieser Straße nicht wehen darf?

Das schrägste Urteil ist jedoch die Verfassungswidrigkeit der Kopfnoten. Da haben Eltern bei der Erziehung ihres Kindes versagt, glauben dann, dieses Versagen vertuschen zu können, und finden auch noch einen Richter, der ihnen dazu recht gibt. Glaubt denn wirklich einer, dass ein solcher Schüler, der sich bei uns um einen Beruf bewirbt, eine Chance hat? Wenn der Ausbildungsbetrieb nicht weiß, was sich da für eine Pfeife vorstellt, ohne Kopfnoten?"

Dr. Jörg Dittrich, Präsident der Handwerks-kammer Dresden, hatte in den vergangenen Jahren immer die Ehre, ein Grußwort an die Handwerker zu richten. 2019 war erstmalig sein Auftrag, in seinem Beitrag „Auf ein Handwerker Wort" die Sorgen und Nöte der Handwerker zu formulieren: „Das Erste, was wir benötigen, ist die Beschleunigung von Investitionsvorhaben. Zum Zweiten: Wir müssen lohnintensive Leistungen entlasten. Wir wollen unsere Leute besser bezahlen, aber wir müssen die Möglichkeit dafür haben. Der dritte Punkt für mich ist der Bürokratieabbau." Der Kammerpräsident mahnte als Beispiel die Änderung der Datenschutzgrundverordnung für kleine und mittlere Betriebe an, um den Aufwand zu minimieren. Dafür gab es Szenenapplaus vom Auditorium. Sein Handwerkerwort gipfelte für das Wahljahr 2019 in: „Wir Handwerker werden wählen! Leute, die uns Zuversicht geben, die Mut machen, die Lösungen haben für vorhandene Probleme und diese nicht wegdiskutieren. Wir wählen keine Zyniker. Wir wählen die, die uns vermitteln, dass es vorwärtsgehen kann, die Gemeinsinn stiften und die die Stimme für die Gemeinschaft erheben."

Gern gesehene Gäste aus Iserlohn – Ehrenkreishandwerksmeister Hans-Joachim Künzel (2. von links) und Hauptgeschäftsführer Dirk H. Jedan (rechts)

„Wie geht es voran in Sachsen?" war das gewünschte Thema der Handwerker bei der Einladung an den Ministerpräsidenten des Freistaates. Michael Kretschmer stellte sich dieser Frage und den etwa 140 Gästen nicht nur im Vortrag, sondern auch im Gespräch. Zu den Handwerkerfragen meinte der Ministerpräsident zum Beispiel: „Es ist ja nicht so, dass wir die Infrastruktur nicht bauen wollen, aber mit den jetzigen bestehenden Rechtsinstrumenten ist es nicht mehr möglich, in einer vernünftigen Zeit solche Vorhaben zu realisieren. Deshalb brauchen wir ein Planungsbeschleunigungsrecht. Wir müssen das Ganze auf ein vernünftiges Maß wieder zurückführen. ... Man muss Ross und Reiter benennen. Wer sind diejenigen, die beim Mindestlohn mit dem Arbeitszeitgesetz dafür gesorgt haben, dass eine Kneipe nicht mehr ehrlich rechtskonform zu betreiben ist? Wer sind diejenigen, die der Meinung sind, dass man einen Diesel nicht mehr fahren soll? Ich nicht! ... Der Diesel ist eine der saubersten Technologien. Er ist eine deutsche Erfindung. Wir sind Marktführer. Die neuen Fahrzeuge erfüllen alle Normen und es wäre verrückt, ihn abzuschaffen." Einen vernünftigen langfristigen Ausstieg der Dieseltechnologie bis etwa zum Jahr 2050 stellte der Ministerpräsident dagegen nicht infrage.

2019_01_S05_2

Die Kreishandwerkerschaft nutzte gleich den Neujahrsempfang, um ihren Ausbildungspreis 2018 zu vergeben. Zwei von rund 350 Lehrlingen haben das Kriterium Gesamtnote 1,9 oder besser für diese Würdigung erreicht. Der Kraftfahrzeug- Mechatroniker Philipp Kelm wurde mit dem Ausbildungspreis geehrt. Er möchte in Zukunft ein Studium zum Berufsschullehrer aufnehmen und damit einen Beitrag zur Nachwuchsgewinnung leisten. Martin Lorenz wurde zum Feinwerkmechaniker ausgebildet und auch er hat die Kriterien für eine Ehrung erfüllt. Die beiden jungen Männer zeigen, dass es in der Handwerkerschaft eine attraktive berufliche Zukunft gibt.

(Peter Noack)