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Autor: root 09.06.2021

Auf ein Wort

 Von Jens-Torsten Jacob, Geschäftsführer | Zunftglocke 03/2021

Jens Torsten Jacob Geschäftsführer

Sehr geehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser, liebe Freunde des regionalen Handwerkes,

kurz vor dem Sommer 2021 scheinen wir die dritte Corona-Welle allmählich in den Griff zu bekommen. Das Impftempo gewinnt an Fahrt. In unserem Kreis liegt die Sieben-Tage-Inzidenz inzwischen unter 50. Auf Restaurant-Terrassen und in Biergärten freuen sich die Menschen über zurückgewonnene Freiheiten. Die Wirtschaft springt an, das Handwerk ist schon längst in Fahrt. Doch immer mehr Wissenschaftler warnen vor zu viel Optimismus. Sie vermuten: Die vierte Virus-Welle wird kommen – und zwar im Herbst 2021. Das sollte uns jedoch nicht abhalten, die Zeiten ohne Einschränkungen jetzt erst einmal zu genießen. Es wird mit der Aufarbeitung der Pandemiezeit begonnen. Zunehmend fiel es auch uns schwer, die jeweiligen Regelungen und die dazugehörigen Verantwortungen zu verstehen und umzusetzen. Im Wettlauf der Regulierungen war zeitweise nicht mehr nachvollziehbar, was Bund, Land, Kreis und zum Teil auch der jeweilige Ort für Einschränkungen und Maßnahmen bestimmte. Bis heute ist nicht bewiesen, dass die Schließung der Friseurläden Auswirkungen auf das weitere pandemische Verhalten hatte. Und es lässt tief blicken, dass die Verantwortlichen erst die Biergärten und dann die Schulen haben öffnen lassen. Es wäre sicher an der Zeit, dass sich dazu die Entscheidungsträger einmal äußern.

Eine ernste Auswirkung der Krise ist bei dem Materialbedarf und deren Beschaffung und Preisen sichtbar. Die Corona-Pandemie hat den Markt für Baustoffe durcheinandergewirbelt und sorgt auch auf den Baustellen für große Probleme. Die Preise für Material sind teils dramatisch gestiegen, wie die Bauverbände warnen. Man sieht eine „beispiellose Welle von Preiserhöhungen bei Rohstoffen und Materialien für den Ausbau". Man spricht bereits jetzt von einem „Preisschock" für Hausbauer. Und das Problem trifft nicht nur die Kunden, sondern auch das Handwerk, Betriebe können das nicht abpuffern und in den Verträgen mit den Kunden ist dafür kein Spielraum. Diese Preiserhöhungen und diese Materialverknappung waren nicht vorherseh­bar. Die befürchtete Konsequenz ist nicht nur der Stillstand auf den Baustellen, sondern auch eine wirtschaftliche Schieflage bei den Betrieben. Haben wir die eine Krise fast gemeistert, kommt die nächste daher.

Fast unbemerkt ist die Sächsische Teilschulnetzplanung der Berufsschulen abgeschlossen worden. Vollmundig erklärt Kultusminister Christian Piwarz: „Dem Teilschulnetzplan für die berufsbildenden Schulen gingen ein über ein Jahr währender Dialogprozess sowie umfangreiche Vorarbeiten und zahlreiche Gespräche voraus. Im Ergebnis des Dialogprozesses wurden Änderungen gegenüber dem Arbeitsentwurf vorgenommen. Dies verdeutlichten die Einsicht und die Bereitschaft für Veränderungen." Dem darf unsererseits wider­sprochen werden. Denn die vielen stattgefundenen Beratungen, Gespräche und erarbeiteten Stellungnahmen von Innungen, Kreishandwerkerschaften, Verbänden und Kammern hatten in unserem Kreis keine Auswirkungen auf die letztendlich gefallene Entscheidung. Die Landkreise Mittelsachsen und Bautzen haben daher dem Entwurf nicht zugestimmt. Doch auch für sie ohne Erfolg und es bleibt bei dieser Entscheidung. Es ist nicht gut, dass man vonseiten der Regierenden den Eindruck erweckte, Einfluss auf die Entscheidung nehmen zu können. Wir werden nun damit leben müssen und in fünf Jahren eine erste Bestandsaufnahme und Einschätzung zu dieser Berufsschulen-Struktur vornehmen.

Wir alle hoffen, dass diese Problemfelder keinen Einfluss auf die Ausbildungsbereitschaft in unseren Handwerksbetrieben haben. Den Befürchtungen zum Trotz, dass aufgrund der Corona-Pandemie eine Reihe von Ausbildungsplätzen unbesetzt bleiben, können wir derzeitig nicht bestätigen.

Mit diesem optimistischen Ausblick wünsche ich Ihnen allen einen schönen Sommer.

Mit handwerklichen Grüßen

Jens-Torsten Jacob
Geschäftsführer