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Autor: root 26.02.2020

Auf ein Wort

 Von Jens-Torsten Jacob, Geschäftsführer | Zunftglocke 03/2020

Jens Torsten Jacob Geschäftsführer

Liebe Leser,

langsam verschaffen wir uns durch die zunehmenden Lockerungen der gesetzlichen Beschränkungen Normalität. Die Friseure und Kosmetiker können mit den notwendigen hygienischen Maßnahmen wieder tätig sein. Eine Freude nicht nur bei den Frauen. Das Gleiche gilt auch bei den Bäckern und Fleischern, die ihren gastronomischen Bereich wiedereröffnen können. Insgesamt haben unsere Handwerksbetriebe derzeitig gut zu tun. Nicht nur die krisenbedingt abgerissenen Lieferketten werden wieder aufgenommen. Es werden und wurden neue Wege gesucht und somit Alternativen geschaffen.

Möglich war dieses Durchkommen aus dieser Krisenzeit auch infolge der schnellen Entscheidungen zur Unterstützung der Wirtschaft durch die Politik. Sicher hätte das eine oder andere einfacher und unbürokratischer sein können. Was zählt, war zunächst der beherzte Entschluss der Entscheidungsträger.

Die Corona-Pandemie wird uns noch lange beschäftigen, da die wirtschaftlichen Auswirkungen derzeitig schlecht abschätzbar sind und die Warnung vor einer erneuten Welle im Herbst nicht abreißt. Daher braucht es jetzt kluge Entscheidungen zu weitreichenden Konjunkturpaketen und den Willen, tatsächlich Veränderungen vornehmen zu wollen. Aus diesem Grund haben wir das Thema Bürokratieabbau wieder aufgegriffen. Die Vorschläge des Handwerks dafür sind nicht vom Tisch, wenn auch vielleicht durch die Krise an den Rand des Tisches geschoben worden.

Wäre es denn beispielsweise nicht einfacher gewesen, wenn die Finanzämter drei Prozent der eingehenden Mehrwertsteuer sechs Monate zurückerstattet hätten? Jetzt werden alle Betriebe in der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 2020 die Umstellung ihrer Kassen­systeme vornehmen müssen. Dasselbe erfolgt dann am Jahresende.

Nichts mit der Krise hat die nun vorgelegte Berufsschulnetzplanung des Freistaates Sachsen zu tun. Der Entwurf sieht für den Kreis Meißen vor, dass zukünftig im Handwerk die Kfz-Mechatroniker (Pkw und Nutzfahrzeuge), die Friseure und die Elektroniker (Fachrichtung Energie und Gebäudetechnik) ausgebildet werden sollen.

Die Bäckeraus­bildung soll nach Dresden, die der Dach­decker nach Löbau und die der Metallbauer nach Bautzen. Damit will man den ländlichen Raum stärken? Mal zum Vergleich: Das Handwerk im Kreis Meißen bildet derzeitig 738 junge Leute in 60 Berufen aus. Das Handwerk ist somit der größte Ausbilder des Kreises!

Es ist ja wohl logisch, dass sich die Obermeister und Mitglieder der Kreishandwerker­schaft mit dieser Thematik befassen und um den Erhalt der Ausbildung im Kreis kämpfen. Bedauerlicherweise sind weder die Innungen noch die Kreishandwerkerschaften vor Ort als regionale Handwerks­organisationen in den Entscheidungsprozess eingebunden. Wie so oft bleibt das Gefühl, dass wieder mal die Politik über die Köpfe des Handwerks debattiert und letztendlich Entscheidungen trifft. Mit der Konsequenz dieser Entscheidung muss der andere, der Betroffene, also der Handwerker, leben.

Wir bleiben optimistisch, dass wir gemeinsam eine tragbare Lösung hinbekommen. Mit Optimismus gehen wir auch in die Belebung unserer „Offenen Werkstatt“. Durch die Krise war es seit Mitte März nicht mehr möglich, die berufliche Orientierung in den Schulen aufrechtzuhalten. Um dennoch aktiv zu sein, werden wir gemeinsam mit unseren Projektpartnern die ersten Handwerkercamps in den Ferien anbieten.

Unter dem Motto „Da geht mir doch ein Licht auf! – Bau Deine eigene Designlampe“ sollen Jugendliche an die verschiedenen Handwerksgewerke herangeführt werden. Wir hoffen, damit erste Akzente setzen zu können. 

In diesem Sinne verbleibe ich mit handwerklichen Grüßen

Jens-Torsten Jacob
Geschäftsführer