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Auf ein Wort

Von Peter Liebe, Kreishandwerksmeister | Zunftglocke 03/2019

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Liebe Handwerkskolleginnen, liebe Handwerkskollegen,

die letzten Wochen waren geprägt von den Wahlkämpfen zur Europawahl und den Kommunalwahlen. Während Letztere bei uns in Sachsen eher ruhig abliefen, war die Europawahl doch sehr umkämpft.

Jetzt hat der Wähler entschieden und für mich überraschend wird einigen Parteien kommunalweit weniger zugetraut als auf Europäischer Ebene. So unterschiedlich sind die Ergebnisse.

Kommunal will der Bürger eine sachbezogene Arbeit fortgeführt wissen. Europäisch musste den Parteien der „GroKo“ erst mal ein Denkzettel verpasst werden. Dabei reichte es dem Anschein nach, nur auf Europa zu schimpfen, um die Wähler zu überzeugen. Auch uns Handwerker stören der Regulierungswahnsinn oder die vielen Verordnungen, die uns das Arbeiten nicht gerade erleichtern. Aber wir wollen auch die positiven Aspekte von Europa nicht vergessen. Ich gehöre zur Generation, die Krieg nur aus Büchern und Filmen kennt und ich wünsche mir, dass dies auch meinen Kindern und Enkeln so gehen wird. Miteinander ein Europa zu gestalten ist immer noch besser als wieder alte Ressentiments aufleben zu lassen.

Schaut man sich das kommunale Wahlergebnis aus der Sicht des regionalen Handwerks an, freut es mich zu sehen, das eine Reihe von Handwerkskolleginnen und -kollegen zukünftig in den regionalen Parlamenten vertreten sein werden. Ich wünsche allen Mut zur Veränderung, Augenmaß und die notwendige Beharrlichkeit, um in Ihrem Umfeld etwas bewegen zu können. Meinen Respekt für Ihr Engagement, sich dieser zusätzlichen Aufgabe zu stellen.

Wie so oft ist nach der Wahl auch vor der Wahl und unser Focus richtet sich jetzt auf unsere sächsische Landtagswahl im September. Wir alle wissen, dass die Parteien die Europawahl als wichtige Orientierung für den Wahlkampf betrachten und ich denke auch, dass die Stimmung im Land ernst genommen werden muss. Aber es geht bei dieser Wahl um Sachsen und nur um Sachsen.

Hier sollten die Wahlprogramme auch so gelesen werden und so toll klingende Forderungen wie Abschaffung der GEZ oder utopische Klimaziele sind Bundesangelegenheiten und werden nicht in Sachsen entschieden. Auch Bürokratieabbau, Vorfälligkeit der Sozialabgaben, Dokumentationspflicht beim Mindestlohn und Meisterbrief sind keine sächsischen Entscheidungen. Doch wir werden genau hinhören, wie sich die Parteien dazu positionieren, denn im Bundesrat gibt es ja ein Mitspracherecht. Wir Handwerker müssen hinterfragen, welche Partei das Handwerk überhaupt im Wahlprogramm hat. Wer meint es ernst mit der Förderung des regionalen Handwerks? Wie wird das mit dem Azubi-Ticket? Wann beginnt endlich eine sinnvolle Berufsschulnetzplanung? Und da wir im ländlichen Raum leben – welche Ideen gibt es für die Förderung des ländlichen Raumes?

Da wollen wir keine Plattitüde hören, sondern klare Vorstellungen und Ideen, die auch abrechenbar sein sollten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich wünsche uns allen einen sachlichen Wahlkampf. Diskutieren Sie mit Ihren Landtagskandidaten über diese wichtigen zukunftsweisenden Probleme und entscheiden Sie dann, wer Ihrer Meinung nach die besten Konzepte hat. Wir wollen bei aller Diskussion nicht vergessen, dass es uns gut geht und wir manchmal auf sehr hohem Niveau jammern. 

In diesem Sinne verbleibe ich mit handwerklichen Grüßen
Ihr Kreishandwerksmeister

Peter Liebe