.

Auf ein Wort

 Von Jens-Torsten Jacob, Geschäftsführer | Zunftglocke 04/2019

Jens Torsten Jacob Geschäftsführer

Liebe Leser,

rund acht Prozent der Schulabgänger haben im letzten Jahr in Sachsen die Schule ohne Zeugnis verlassen. Das sind etwa 2.600 Jugendliche, die für eine Ausbildung nicht geeignet sind. Dieser Fakt ist umso kritischer zu betrachten, wenn man weiß, dass immer mehr Lehrstellen bei uns im Handwerk unbesetzt bleiben. Unbesetzt, weil es keine geeigneten Bewerber gibt. Denn auch das Handwerk braucht gut schulisch gebildete und motivierte Jugendliche, um sich der Herausforderung des demografischen Wandels zu stellen. Viele tun ja so, als ob diese „Verschiebung der Bevölkerung“ nicht absehbar gewesen wäre. Hinzu kommt insbesondere im ländlichen Raum, dass die Stadtanziehung für junge Leute nach wie vor anhält. Umso wichtiger sind Aktivitäten für junge Leute, die aufzeigen, dass unser Handwerk hier vor Ort modern, zukunftssicher und damit attraktiv ist. Das Projektkonsortium rund um „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ stellt sich diesen Fragen. Der Vorstand der Kreishandwerkerschaft hat sich ebenfalls in seiner Klausur klar dafür ausgesprochen. Gemeinsam mit allen interessierten Handwerkern sollen neue Wege beschritten werden. Doch es bleibt trotzdem die Frage offen, können und wollen wir es uns als Gesellschaft leisten, dass so viele Schüler ohne ein Abschlusszeugnis die Schule verlassen? Wieviel Geld und Mühe wenden wir im Jobcenter, der Agentur für Arbeit und den Sozialträgern auf, um diese Klientel auf den richtigen Weg zu bringen? Es lohnt sich bestimmt, bereits weit früher einzusetzen, um dieses Problem zumindesten zu mindern! Hier sind wir sicher alle gefragt – es ist eine gesellschaftliche Gesamtaufgabe, die Schule und Elternhaus mit beinhalten.

Doch zunächst stehen wir gemeinsam wieder mal vor einer Wahl. Diesmal ist das Landesparlament im Freistaat Sachsen am 1. September 2019 neu zu wählen. Wir haben für Sie, geschätzte Leser, die Wahlprüfsteine zur Landtagswahl 2019 (siehe Seite 19) veröffentlicht. Es soll Ihnen eine Hilfestellung bei der Beurteilung der Wahlversprechen Ihres Kandidaten/Ihrer Kandidatin sein. Es sind Themen, die unserer Meinung nach am stärksten auf das Handwerk wirken und die gemeinsam mit und durch die Politik angepackt werden sollten. Außerdem gelten sie für die nächste Wahlperiode als Prüfung der Arbeit der Abgeordneten im Landtag und zur Abrechnung der Ergebnisse vor der nächsten Wahl. Wussten Sie, dass wir vor fünf Jahren das Azubiticket eingefordert haben? Kurz vor Ende der Wahlperiode hat man sich auf einen Kompromiss geeinigt und seit 1. August 2019 können Azubis den Örtlichen Personennahverkehr – ÖPNV für 48,00 Euro in einem Verbundraum im Monat nutzen. Immerhin, oder?

Gut war auch, dass der Bundestag die Datenschutzbestimmungen für Kleinbetriebe ein bisschen gelockert hat. Allerdings muss man auch sagen, dass für die meisten Handwerksbetriebe in unserem Kreis die jetzige Änderung gar nichts bringt. Circa 85 % aller Handwerksbetriebe haben weniger als zehn Beschäftigte. Für sie ist der Datenschutzbeauftragte schon wegen der Gesamtbeschäftigtenzahl völlig irrelevant. Es kommt hinzu, dass selbst bei allen größeren Firmen nur eine Minderheit der Beschäftigten tatsächlich automatisiert personenbezogene Daten verarbeitet. Betrachten wir es als ersten Schritt in der Hoffnung, dass weitere folgen. So könnte man die Dokumentationspflicht beim Mindestlohn ebenfalls auf den Prüfstand stellen. Was für einen Sinn macht es, dass wir unsere korrekte und gesetzeskonforme Lohnzahlung zusätzlich dokumentieren müssen?

In diesem Sinne verbleibe ich mit handwerklichen Grüßen

Jens-Torsten Jacob
Geschäftsführer