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Gemeinsam stark – der Innungsgedanke!

Autor: root 09.04.2020

Dachdecker und Zimmerer zur Freisprechung 2019 in Meißen

Wozu gibt es Innungen?  

Vielleicht haben Sie sich diese Frage auch schon gestellt. Kann mir die Innung eine Stütze bei der Bewältigung täglicher Auf­gaben sein? Kann sie gar die Zukunftssicherung eines ganzen Berufsstandes sein?

Innungen sind die fachliche Interessenvertretung vor Ort von Personen, die in einer Berufsgruppe des Handwerks tätig sind. Sie ist damit die Basisorganisation der handwerklichen Selbstverwaltung. Auf lokaler bzw. regionaler Ebene ist die Innung meist in einem Landkreis vertreten. In ihr schließen sich Handwerker eines gleichen oder ähnlichen Handwerks zusammen, um ihre gemeinsamen geschäftlichen Interessen zu fördern. Sie ist somit der Garant für deren fachliche Kompetenz. Mit der Mitgliedschaft erwerben die Handwerksbetriebe ein Gütesiegel für handwerkliche Qualitätsarbeit, dem die Kunden vertrauen. Innungen sind die praktischen Nachfolger der Zünfte. Eine Mitgliedschaft ist freiwillig. Ihre Bedeutung sieht man auch dadurch, dass die Rechtsform einer Innung die einer Körperschaft des öffentlichen Rechts ist.

Welchen Nutzen und welche Vorteile bringen mir Innungen?

Die Innungsgemeinschaft ist die regionale, fachliche Plattform, aus der die Interessenvertretung auf Landes- und Bundesebene erwächst, die von dem jeweiligen Fachverband, den überregionalen Zusammenschlüssen der Innungen wahrgenommen werden. Dies gilt nicht nur als Tarifpartner, sondern auch auf dem politischen Parkett. Sie vertreten das Interesse gegenüber der Kreisverwaltung, und dem Landrat sowie den kommunalen Verwaltungen. Die Innungen geben in Verbindung mit den Fachverbänden die Anregungen und Forderungen der Betriebe an die höchsten Gremien weiter.

Kaum ein Wirtschaftsbereich ist damit so gut organisiert wie das Handwerk mit seinen Innungen, den Kreishandwerkerschaften und den Handwerkskammern sowie Fachverbänden.

Der Interessensausgleich und der Erfahrungsaustausch unter Innungskollegen gehören ebenso zu den Aufgaben der Innungen wie die Aus- und Weiterbildung. Die Abnahme von Gesellen- und Zwischenprüfungen sowie die Durchführung der überbetrieblichen Unterweisung können ein weiterer Teil dessen sein. In Verbindung mit den anderen Handwerksorganisationen bieten die Innungen Schulungen, Beratungen oder Seminare für Betriebsinhaber und Mitarbeiter an. Die Innung informiert ihre Mitglieder aktuell und berufsbezogen. Somit unterstützt sie mit einem echten Wissensvorsprung ihre Mitglieder bei ihrer Entscheidungsfindung. Darüber hinaus bestehen mit den Innungen oder den Handwerksorganisationen Rahmenabkommen mit berufsspezifischen Versicherern oder Dienstleistern, die weitere Vorteile bringen.

Auch bei der Suche nach Auszubildenden unterstützen die Innungen regional. Sie stellen beispielsweise Informationsmaterial zur Verfügung, stellen den Kontakt zu Aus­bildungsbetrieben her oder engagieren sich bei Projekten der Berufsorientierung und regional auf den zahlreichen Berufsbildungsmessen.

Warum sollte ein Verbraucher oder ein Kunde eine Innungsfirma wählen?

Verbraucher wenden sich meist dann an Innungen, wenn ein spezieller Handwerker oder auch ein geschulter und vereidigter Sachverständiger gebraucht wird. Als Orientierungshilfe für den Verbraucher werben Innungsbetriebe mit speziellen Gütesiegeln oder Zertifikaten. Als Zeichen von Qualitäts­arbeit innerhalb der Innung führt beispielsweise noch immer die Bäckerinnung regelmäßig ihre jährliche Brot- oder Stollenprüfung öffentlich durch.

Viele Innungen bieten zudem Schiedsstellen bei Streitigkeiten zwischen Handwerksbetrieb und Kunde an. So können mögliche Unstimmigkeiten beim Erbringen von Leistungen aufgeklärt werden.

Innungen unterweisen neben der fachlichen Weiterbildung außerdem ihre Mitglieder in vielen Bereichen kaufmännisch und rechtlich. Davon profitiert ebenfalls der Kunde. So kann er nämlich sicher sein, dass sein Innungs­betrieb auf aktuellstem Stand ist und eine kompetente Beratung durchführen kann.

Für den Verbraucher ergeben sich offensichtlich entscheidende Vorteile, wenn er sich bei benötigten Handwerksleistungen für einen Innungsbetrieb entscheidet.

Innungen ist ein alter Zopf?

Die jährliche Stollenprüfung der Bäckerinnung Ganz traditionell werden noch heute die Gesellenzeugnisse innerhalb der Innungen und der Kreishandwerkerschaft vergeben. Nicht nur Tradition wahren, sondern den Stolz auf sein Gewerk vermitteln – das gelingt mit der jährlichen „Freisprechung“. Hier werden junge Frauen und Männer von ihren Pflichten als Lehrling feierlich im Beisein ihrer Angehörigen freigesprochen und sind von nun an Gesellin oder Geselle der starken Handwerkerfamilie – das soll Ehre und Verpflichtung gleichermaßen sein. So war es früher und so soll es auch in der modernen Zeit bleiben. Denn diese jungen Leute sind bereit, ihr Wissen zu nutzen und weiterzuentwickeln, um dann später als Meister/-in selbst ein Unternehmen zu führen. Damit wird soziale Verantwortung durch junge Leute in ihrer Region übernommen. Natürlich auch mit der Unterstützung einer starken Innungs­gemeinschaft. Dieser „alte Zopf“ oder diese alte Weisheit hat sich bewährt und sollte erhalten bleiben, oder nicht?

Fazit

Von der Anzahl der Mitgliedsbetriebe innerhalb einer Innung und deren Bereitschaft zur aktiven und konstruktiven Zusammenarbeit ist es abhängig, wie sich Innungen künftig modern, kompetent und somit erfolgreich präsentieren. Sich damit vor allem ins Gespräch bringen – und dies zum Nutzen des einzelnen Innungsmitgliedes, dem Gewerk sowie dem Handwerk insgesamt, ist das Ziel oder der Sinn einer Innung.

(KHS)

Gemeinsam macht stark!