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Autor: root 02.09.2020

Auf ein Wort

Von Peter Liebe, Kreishandwerksmeister | Zunftglocke 04/2020

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Liebe Handwerkskolleginnen und Handwerkskollegen,

seit mehreren Monaten beschäftigen wir uns mit dem Entwurf zur Teilschulnetzplanung der Berufsbildung – der Schulen des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus. Die erste Debatte dazu war wie befürchtet zunächst ein Schlagabtausch zur Besitzstandswahrung der einzelnen Gewerke.

Bedauerlicherweise wurde dabei aus meiner Sicht zu wenig auf die Qualität der Ausbildung geschaut. Der Ansatz, zunächst zu versuchen, die gesamte Ausbildungszeit an nur einer Schule stattfinden zu lassen, finde ich richtig. Besser wäre sogar noch die Zweizügigkeit von Fachklassen, da beispielsweise der krank­heitsbedingte Ausfall von Fachlehrern besser kompensiert werden könnte.

Der vorgelegte Entwurf bedeutet allerdings, dass nur noch Kfz-Mechatroniker, Friseure, Elektroniker und Metaller (nur im 1. Ausbildungsjahr) im Handwerk in unserem Kreis Meißen beschult werden. Da ist von einer ausgewogenen Standortverteilung der Berufsausbildung keine Spur. Wenn beispielsweise die Dachdeckerausbildung aus unserem Kreis verlegt wird, müssen wir festhalten, dass es keinerlei schulische Ausbildung mehr im Bau- und Ausbaugewerk gibt. Für uns als Kreishandwerkerschaft ist das in besonderem Maße nicht nachvollziehbar, da wir seit Längerem mit dem Sächsischen Denkmalschutz im Gespräch sind, um eine JugendBauhütte in unserem Kreis zu etablieren. Gleiches gilt für den Metallstandort Riesa. Vier Standortargumente (Staatliche Studienakademie Sachsen, das Rohrforschungszentrum, das Qualifizierungszentrum sowie die Stahlwerke in Riesa, Glaubitz und Gröditz) und eine lange Stahltradition sprechen für den Standort als Kompetenzzentrum. Aus diesem Grund unterstützen wir die Bemühungen unserer Metall­innungen, die Ausbildung in Riesa zu halten. Fakt ist, dass unsere Handwerksbetriebe im Kreis Meißen derzeitig 738 Jugendliche in 60 Handwerksberufen ausbilden. Da erwarten wir als der größte Ausbilder im Kreis schon mehr Mitspracherecht. Es wäre sicherlich besser gewesen, bereits im Vorfeld die Ausbildungsbetriebe, die Innungen und die Kreishandwerkerschaft in den Entscheidungsprozess einzubinden.

Eine weitere Sache ist die Einführung der Coronabedingten Ausbildungsprämie. „Eine gute Berufsausbildung ist nach wie vor der wichtigste Baustein für den Start in ein erfolgreiches Berufsleben. Ohne Unterstützung laufen junge Menschen Gefahr, Coronabedingt keine Ausbildungsstelle zu finden oder eine begonnene Berufsausbildung nicht abschließen zu können. Ausbildungsbetriebe gefährden bei rückläufiger Ausbildungs­aktivität zudem ihren eigenen Fachkräfte­nachwuchs. Mit dem Bundesprogramm soll verhindert werden, dass die Corona-Krise zu einer Krise für die berufliche Zukunft junger Menschen wird …“, so die Erläuterung zur Ausbildungsprämie. Allerdings erreichen die Förderbedingungen viele Handwerksbetriebe nicht.

Denn eine Ausbildungsprämie wird einem Ausbildungsbetrieb, der durch die Corona-Krise in erheblichem Umfang betroffen ist, für eine neu beginnende Berufsausbildung gewährt, wenn er die Zahl der für das neue Ausbildungsjahr geschlossenen Ausbildungsverträge auf dem durchschnittlichen Niveau der letzten drei Jahre hält. Von erheblichem Umfang von der Corona-Krise betroffen ist ein Ausbildungsbetrieb, der im ersten Halbjahr 2020 wenigstens einen Monat Kurz­arbeit durchgeführt hat oder dessen Umsatz in den Monaten April und Mai 2020 um durchschnittlich mindestens 60 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres eingebrochen ist.

Wie wir alle wissen, haben die meisten Handwerksbetriebe im Wesentlichen in den Monaten April und Mai 2020 mit Ausnahme der Friseure und Kosmetiker und zum Teil das Fleischer- und Bäckerhandwerk trotz der Corona-Krise durchgearbeitet. Daher läuft diese Förderung für unsere Betriebe ins Leere. Schade, denn gerade wir im Handwerk hätten eine Unterstützung gut gebrauchen können, da wir ja zukünftig noch mehr unsere Lehrlinge zur Ausbildung auf Reisen schicken müssen. Da sollte wenigstens im Freistaat Sachsen sich was im Bereich des Azubitickets tun. Eine einheitliche Regelung für alle Fahrzonen in Sachsen muss doch machbar sein, oder?

In diesem Sinne verbleibe ich mit handwerklichen Grüßen

Ihr Kreishandwerksmeister

Peter Liebe