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Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft Region Meißen

Geimeinsam wurde auf das neue Jahr angestoßen Die Handwerker haben das neue Jahr begrüßt. Zum Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft Region Meißen traf man sich traditionell im Romantikhotel „Burgkeller“ in Meißen. Sachliche Reden mit spannenden und durchaus unangenehmen Themen bestimmten das feierliche Treffen. Und: Es wurde nicht gelogen! Denn bei geöffneter Zunftlade und brennender Kerze darf man das nicht. Roberto Heilscher, stellvertretender Kreishandwerksmeister, sorgte mit diesem historischen Zeremoniell für Disziplin. Kreishandwerksmeister Peter Liebe begrüßte politische Vertreter vom Europaabgeordneten bis zum Gemeinderat. Keine politische Ebene fehlte. Und diese bekamen einiges zu hören.

Mit seinem „Handwerkerwort“ legte Thomas Möbius, Obermeister der Bauinnung Riesa-Großenhain, gleich richtig los und kritisierte die von Politikern verbreitete Meinung, dass die gestiegenen Preise für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe für die Erhöhung der Mieten verantwortlich sind: „Auch die Politik fordert die Revision der Baukosten nach bezahlbarem Wohnraum. Aber wie, bitte schön, sollen wir die Steigerung bei Lohn, Lohnnebenkosten, wachsender Bürokratisierung und steigender gesetzlicher Auflagen kompensieren?“

Eine große Herausforderung stellt die neue Abfallordnung dar, die seit August 2017 gültig ist, nach der zehn verschiedene Abfallarten auch auf jeder Baustelle getrennt entsorgt werden müssen. Die Vorfristigkeit der Sozialabgaben ist für kleine und mittelständische Unternehmen eine erhebliche Belastung und muss nicht nur von den Handwerkern seit zwölf Jahren ertragen werden, ohne dass die Politik dazu gesprächsbereit wäre.

Auch in der Digitalisierung fühlt sich das Handwerk erheblich vernachlässigt. „Das Handwerk ist in der Digitalisierung längst angekommen. 3D-Drucker, 3D-Scanner und mobile Apps sind da nur einige Beispiele. Auch in der Materialwirtschaft, Arbeitsplanung, Buchhaltung und Abrechnung bietet die Digitalisierung vielfältige Hilfestellung. Voraussetzung dafür ist aber immer eine flächendeckende Breitbandversorgung. Absolut untragbar ist es, dass Unternehmer Daten auf USB-Stick kopieren, in Nachbarorte fahren müssen und sie erst dort ins Netz einspeisen können. Wir brauchen Glasfaser bis ins kleinste Dorf.“ Das kostet Geld.

Festlicher Saal zum NeujahrsempfangAber was ist unser Geld noch wert? Markus H. Michalow, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Sachsen, erläuterte in einem nüchternen Fachvortrag, gespickt mit einfachen Vergleichen, diese Frage und warnte vor übertriebener Bewertung virtueller Währungen, die in der gegenwärtigen extremen Niedrigzinsphase sagenhafte Renditen versprechen. Der über 15 Jahre jedoch stabile Euro behauptet sich dagegen als zuverlässige Währung, trotz schlechtgeredeter Perspektiven. „Es gibt keine Zauberkugel. Was der Markt anbietet, ist mit Risiko verbunden, sonst funktioniert das nicht. Ich kann nicht mehr bezahlen, als was der Markt bietet. Das, was wir dem Geld an Wert zubilligen, ist Vertrauen. Der Wert des Geldes liegt immer in den Augen des Betrachters. Wir brauchen aber Geld, damit unsere Wirtschaft funktioniert.“ Dass virtuelle Währungen wie Bitcoin das leisten können, hält der Referent für äußerst fragwürdig.

Nahtlos schloss sich der Präsident der sächsischen Handwerkskammer, Dr. Jörg Dittrich, an, indem er den Wert der Arbeit mit dem Wert des Geldes verglich: „Arbeit ist benachteiligt in unserem Wertesystem. Man kann im Internet mit digitalen Dienstleistungen mit Milliarden Unternehmen aufbauen. Ja, es geht um Geld, aber es geht doch auch um Wertschätzung? Was sind denn die wichtigen Dinge? Familie und Liebe. Liebe kann man nicht kaufen. Viele Menschen sagen, sie brauchen finanziellen Rückhalt für das Alter. Brauchen sie nicht wirklich Vertrauen zu Menschen, die sich um sie kümmern in guten, wie in schlechten Zeiten? Handwerk ist Liebe, Ausbildung, Familie, Einstehen für Schwache, Einbindung von Älteren und Jüngeren und auch Menschen mit Handicap.“

Als Positivum in der Ausbildung konnte der Handwerkskammerpräsident endlich wieder mit 330 neuen Ausbildungsverträgen einen Aufwärtstrend von 6,5 Prozent mehr präsentieren. Einen Glanzpunkt einer außergewöhnlich erfolgreichen Ausbildung feierten die Besucher mit der Verleihung des Ausbildungspreises der Kreishandwerkerschaft Region Meißen. Um für diesen Preis nominiert zu werden, muss ein Gesamtergebnis besser als die Note 2,0 erreicht werden. Goldschmiedin Ruth Trommer schaffte sogar 95 Punkte, was einem Notendurchschnitt von 1,2 entspricht. Ein großes Dankeschön ging auch an ihren Lehrmeister Matthias Baldauf. Wie erfolgreich man mit guten Ergebnissen in der Ausbildung werden kann, bestätigte ein Ehrengast des Neujahrsempfangs. Der frühere Ausbildungspreisträger Timmy Held führt inzwischen den Metallbaubetrieb seiner Eltern in Großenhain weiter und ist Obermeister seiner Innung.

Stellv. Kreishandwerksmeister Thomas Möbius, mit seinem HandwerkerwortKreishandwerksmeister Peter Liebe warnte in seinem Schlusswort aber gleichzeitig vor zu befürchteten Defiziten im Ausbildungsbereich: „Wir brauchen eine Berufsschulnetzplanung, damit unsere Handwerksbetriebe Planungssicherheit haben. Auch das gegenwärtige Missverhältnis zwischen Wert der Arbeit und dem Preis der Produkte, besonders im Lebensmittelbereich, kritisierte der Kreishandwerksmeister: „Wer dieses Land mit einem Mindestlohn beglücken kann, sollte auch den Arsch in der Hose haben, für Lebensmittel einen Mindestpreis einzuführen, damit der Kunde sich wieder mehr mit Qualität beschäftigt und nicht mit der Schnäppchenjagd.“

(Peter Noack)


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