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Xin chào - Việt Nam

Fachexkursion 2017Guten Tag – Vietnam! Mit dieser Begrüßung tauchte eine Gruppe von Handwerkern für 12 Tage in den lang gestreckten Küstenstaat in Südostasien zu einer Fachexkursion ein. Und es war für alle eine besondere Erfahrung. Den 12-stündigen Flug noch in den Knochen, ging es schon gleich zur Stadtbesichtigung von Ho-Chi-Minh-Stadt, Saigon. Die französische Kolonialherrschaft hat ihre architektonischen Spuren hinterlassen. Und gleichzeitig fügen sich moderne Bauten in die Skyline der Stadt. Insbesondere die Altstadt erlebt man als einen quirlenden Tiegel. Überall freundliche Menschen, die trotz ihres einfachen Lebens offen gegenüber den Langnasen (so werden die Europäer bezeichnet) sind.

Die erste Erfahrung für unsere Reisegruppe war das Überqueren einer Straße. Man hat den Eindruck, dass die Zebrastreifen (in Deutschland Fußgängerüberwege) lediglich eine Verzierung der Straße in Vietnam darstellt. Motorräder bzw. Mopeds sind das Transportmittel von geschätzt 90 Prozent der Bevölkerung. So wundert es nicht, dass alles Mögliche transportiert wird und zudem mit einem recht flotten Tempo. Wer stehen bleibt, hat verloren – so das Prinzip des vietnamesischen Straßenverkehrs. Also los deutsche Handwerkergruppe: Immer das Ziel vor den Augen und nicht ängstlich, wenn rechts, links und dazu noch im Gegenverkehr die Mopeds vor einem und hinter einem vorbeirauschen. Schnell haben wir diese Übung begriffen. Es war
allerdings allen Reiseteilnehmern anzusehen, dass man die Fahrt im Reisebus vorzog und lieber staunend den Verkehr beobachtete. Im Übrigen haben wir trotz des vermeintlichen Verkehrschaos nicht einen Unfall gesehen … Man muss wissen, dass öffentliche Verkehrsmittel so gut wie gar nicht existieren. Saigon beginnt erst jetzt ein U-Bahn-Netz zu bauen.

EssenZweite Erfahrung ist das Essen. Die vietnamesische Küche ist vielseitig und geprägt von viel Gemüse und Obst. Die an jeder Straßenecke befindlichen Garküchen verbreiten in der Stadt den typischen asiatischen Geruch. Mit Stäbchen essen ist normal. Es hat den Vorteil, dass man vieles, was auf den Tisch kommt, zunächst ausprobieren kann. Reis gehört selbstverständlich fast immer dazu. Interessant ist, dass sich der Staat von der sozialistischen Kollektivwirtschaft verabschiedet hat und durch den freien Markt der Reisbauern geschafft hat, die Nummer zwei weltweit im Reisexport zu werden.

Immer noch sozialistisch – aber irgendwie anders

Alle unsere Reiseleiter haben ihre Deutschkenntnisse im Osten, also in der DDR erlangt. Teilweise auf abenteuerliche Weise sind sie in den Genuss einer Fachausbildung gekommen. Dabei fragt man sich allerdings, wieso sie nicht in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Zum einen ist mehr als Reiseleiter zu verdienen (im Durchschnitt verdient die Bevölkerung etwa 300 $ im Monat) und die vietnamesischen Arbeitsbedingungen entsprechen auf keinem Fall den der Deutschen. Ein Schweißer beispielsweise muss teilweise ohne Handschuhe und Schutzbrille arbeiten können … Die Partei legt nach wie vor die Linie fest und jeder kann sein eigenes Geschäft machen. Das ist wichtig für die Menschen, denn soziale Sicherungssysteme existieren so gut wie gar nicht. Es gibt keine Arbeitslosigkeit! Allerdings schätzt man, dass etwa
10 Prozent der Bevölkerung arbeitsuchend sind …

Das Bildungssystem in Vietnam sieht eine kostenfreie Schulpflicht bis zur 5. Klasse vor. Anschließend kann weitergelernt werden. Allerdings wird dann auch Schulgeld fällig. 10 $ Minimum im Monat je Kind. Wer eine bessere und umfangreichere Ausbildung für seine Kinder wünscht, muss durchaus mit bis zu 1.000 $ rechnen.

Auch das Gesundheitssystem hat eine Besonderheit. Wer zum Arzt geht, muss viele Stunden Wartezeit in Kauf nehmen. Deswegen hinterlegt man im Wartezimmer seine Schuhe und nutzt die Zeit, bis man dran kommt, mit anderen Dingen. Freundlicherweise werden die Schuhe von den anderen Patienten weitergerückt.

Fachexkursion 2017Eine dritte Erfahrung war das Wasser. Es ist schon schön, wenn man bei Sonnenschein das Mekong-Delta (Südvietnam) oder die Halong Bucht im Norden mit einer Dschunke bereisen kann. Malerische Einblicke in die üppige Natur und in das Leben der Fischer und Bewohner erlebt man. Es ist traumhaft. Will man allerdings in der Regenzeit die alte Hauptstadt Vietnams Hué besichtigen, so ist das nicht mehr so schön. In der Mitte von Vietnam hat uns die Regenzeit überrascht. Der Begriff Regen beschreibt nicht annähernd, wie viel Wasser und das dauerhaft und ohne Unterbrechung die Natur über einen ergießen kann. Die Vietnamesen gehen gelassen damit um. Flipp-Flopp oder Badelatschen, kurze Hose und T-Shirt sind die einzigen Alternativen. Regenschirm oder Regensachen helfen nur bedingt und nur kurzzeitig. Es ist jedoch nicht schlimm, denn die Temperaturen lagen bei etwa 25 Grad. Und dann macht es wieder Spaß, im Regen zu laufen.

Wie immer ist so eine Reise viel zu kurz, um einen umfassenden Einblick zu gewinnen. Es bleiben tolle Erinnerungen und die Erfahrung, dass die Bevölkerung trotz ihres, mit uns nicht vergleichbaren Lebensstandarts ein sehr freundliches, offenes und fleißiges Wesen besitzt. Die vielen Kriege und Auseinandersetzungen, nicht nur mit den USA bis 1975, haben ihnen nicht den Lebensmut und die Freude am Dasein genommen. Man kann nur sagen: cảm ơn bạn – Vielen DANK!

(KHS)


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